Wir müssen erkennen, dass die einzige Zukunft, die wir haben, eine Zukunft mit sauberer Energie ist.
Rev. Eleanor McCormick, Evangelische Mission in Solidarität, Stuttgart
G-tt will, dass wir Aktivist*innen sind. G-tt will, dass wir eingreifen, Ungerechtigkeit bekämpfen, anderen helfen, Leiden verringern, den Menschen ermöglichen, ein tiefes, sinnvolles Leben zu führen.
Prof. Dr. Jonathan Schorsch, School of Jewish Theology, Potsdam
Mich belastet das Gefühl, dass wir die Interessen eines großen Teils der Menschheit einfach außer Acht lassen.
Prof.Dr. Ingo Hofmann, Baha’i in Deutschland, Potsdam
Das Zeitfenster für einen lebenswerten Planeten schließt sich. Die krisenhafte Gegenwart, in der Kriege um Ressourcen geführt werden, profitgierige Energieunternehmen und Banken den Planeten ausbeuten und Entscheidungsträgerer*innen uns durch langfristige Gas-Lieferverträge tiefer in fossile und politische Abhängigkeiten führen, lässt uns kaum Zeit zum Aufatmen.
Doch statt innezuhalten, treiben uns politische Fehlentscheidungen tiefer in die Abhängigkeit von fossilem Gas. Wir stellen uns an die Seite der ungehörten Stimmen und vulnerablen Gemeinschaften, denen buchstäblich die Luft zum Atmen wegbleibt und fordern: Stoppt den weiteren Ausbau von Flüssigerdgas (LNG)-Infrastruktur! Konkret setzen wir uns gemeinsam ein gegen umwelt- und gesundheitsschädliches Fracking an der US-Golfküste, die energieintensive Verflüssigung und Verschiffung nach Europa und gegen den unnötigen Ausbau der Import-Terminals in Deutschland und ganz Europa.
LNG schadet Menschen und unserem gemeinsam bewohnten Planeten. Erneuerbare Energiequellen sind überreichlich vorhanden und die Energieerzeugung sicher und zukunftstauglich.
Die Wege sind geebnet – kommst du mit?
LNG ist verflüssigtes Methan und wird oft fälschlicherweise als klimafreundliche Alternative dargestellt. Doch die Realität sieht anders aus: Entlang der gesamten Lieferkette kommt es zu massiven, strukturellen Methanemissionen. Da Methan über einen Zeitraum von 20 Jahren mehr als 80-mal klimaschädlicher ist als CO₂ ist die reale Klimabilanz von LNG unter Umständen sogar verheerender als die von Kohle.
In den Förder- und Exportregionen führt die giftige Fracking- und Industrie-Infrastruktur zu massiven Kontaminationen von Luft und Trinkwasser. Die Folge für die dort lebenden Menschen sind drastisch erhöhte Raten von Asthma, Atemwegserkrankungen und Krebserkrankungen wie Leukämie bei Kindern.
Der Hunger nach LNG hinterlässt eine Spur der Verwüstung in der Natur: Millionen Liter Wasser und toxische Chemikalien belasten beim Fracking und (cold) flaring die tiefen Gesteinsschichten. An den Küsten vernichten massive Ausbaggerungen wertvolle Feuchtgebiete und Küstenmarschen , während der Einsatz von Bioziden (wie Chlor) und die extreme Lärmbelastung der Transportschiffe die marine Tierwelt und sensible Arten wie Schweinswale direkt gefährden. Für den Bau eines weiteren LNG-Terminals an Land in Wilhelmshaven soll ein Natur- und Vogelschutzgebiet weichen.
Über 90% des nach Deutschland importierten LNG kommt aus den USA. Durch langfristige Verträge mit Laufzeiten von bis zu 20 Jahren bindet sich Deutschland an fossile Energieträger der Vergangenheit und blockiert aktiv den notwendigen, konsequenten Umstieg auf echte energetische Souveränität durch erneuerbare Energien. Diese Einflussnahme findet zum Beispiel statt, indem das Aufweichen europäischer Umweltstandards und Klimaziele gefordert wird
Die Versorgung mit Flüssigerdgas ist krisenabhängig und eignet sich für Spekulationen, die Preise sind volatil. Daher kann LNG nicht die vielbeschworene Lösung sein, Energiepreise für Verbraucher*innen zuverlässig zu senken. Während sich wenige rücksichtslose Investor*innen und fossile Energieunternehmen auf Kosten von Klima, Umwelt und Menschenrechten unmoralisch bereichern, können viele Menschen ihre (Gas-) Rechnungen nicht bezahlen. Dezentrale, erneuerbare Energien sind der Weg in die Zukunft.
Fast 100 % des aus den USA exportierten Gases stammt aus einem bereits massiv industrialisierten Gebiet in Texas und Louisiana, den sogenannten sacrifice zones (dt: “Opferzonen”). Große Konzerne errichten ihre gesundheitsschädlichen Exportterminals gezielt in sozial benachteiligten Regionen und Communities of Color, da dort der politische Widerstand am geringsten eingeschätzt wird.
Jede politische Entscheidung über Gasimporte nach Deutschland hat ein Gesicht am anderen Ende der Welt. Deswegen haben wir Menschen aus den USA und Deutschland zur Realität des LNG Abbaus vor Ort befragt:
Trotz der Vielfalt religiöser und spiritueller Traditionen lassen sich universelle Kernwerte identifizieren, die uns als gemeinsamer moralischer Kompass dienen. Damit wollen wir als Menschen des Glaubens eine klare und ethische Perspektive in die öffentliche Debatte einbringen. Wir setzen uns gemeinsam für Klimagerechtigkeit, den Schutz von Menschen und dem Planet sowie für eine gerechte Energiewende ein.
Gläubige Menschen weltweit sind aufgerufen, an der Seite jener zu stehen, die unter den Klimaschäden und sozialer Ungerechtigkeit leiden, und Verantwortung für kommende Generationen zu übernehmen. Die Klimakrise trifft uns alle, unabhängig von Armut oder Reichtum. Doch gerade aus dem Mitgefühl und der Solidarität mit den Schwächsten erwächst die Kraft für einen gemeinsamen Aufbruch – weg vom fossilen Zeitalter, hin zu einer gerechten Zukunft.
Alle Menschen sind Teil einer unauflöslichen Gemeinschaft, die sich durch globale Geschwisterlichkeit auszeichnet. Was wir einem Teil dieser Menschheitsfamilie antun, tun wir auch uns selbst an. Ob wir uns als „Teile des Universums“ oder „Kinder Gottes“ verstehen – diese Verbundenheit fordert dazu auf, gegenseitige Ausbeutung und Zerstörung zu beenden und das Gemeinsame über den Profit Einzelner zu stellen.
Wir betrachten die gesamte Welt und auch das nicht-menschliche Leben als Geschenk Gottes, bzw. als großes heiliges Netzwerk. Es ist unsere Aufgabe, diese Heiligkeit und Integrität zu bewahren und allem Leben mit Achtsamkeit zu begegnen. Ein respektloser Umgang mit Lebewesen und der Natur ist eine Unachtsamkeit gegenüber diesem Geschenk Gottes.
“Genügsamkeit”, “Suffizienz”, “Askese” und nach einer “Ethik des Genug” leben: Religiöse und spirituelle Traditionen vereint die Ablehnung von Gier und maßlosem Wachstum. Wir sollen nicht mehr nehmen, als wir brauchen, nicht egoistisch handeln und anderen nichts wegnehmen.
Unsere Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens führt zu einem achtsamen Umgang mit der Erde. Aus der Praxis der Dankbarkeit entsteht ein veränderter Blick auf die Mitwelt.
Die GreenFaith Kampagne wird unterstützt und mitgestaltet durch zahlreiche Kooperationspartner*innen:Glaubensgemeinschaften, Umweltverbände, Expert*innen.
Foto Credits: Santiago Rodriguez (Aktion Wilhelmshaven), sowie Jesse Boie und Partner-Organisationen